.

Die Hand - ein komplexes Körperteil

... stellt zwar flächenmäßig nur einen kleinen, aber äußerst komplexen und wichtigen Körperteil dar. Sie gibt dem Menschen eine Fülle von handwerklichen, gestaltenden, künstlerischen und emotionalen Möglichkeiten „an die Hand".

Für die menschliche Entwicklung allgemein, aber auch für jeden Einzelnen, sind „Begreifen", „Berühren", „Handeln und Herstellen" entscheidende Schritte.

Ermöglicht wird dies durch ein enges und komplexes Zusammenspiel von 27 Knochen, 33 Muskeln und Sehnen sowie zahlreichen Nerven, die eng mit dem Gehirn verbunden sind. Entsprechend einschneidend sind die Auswirkungen bei Beeinträchtigungen der Handfunktion.

 

Die Eingriffe – Handchirurgie Esslingen

Handchirurgie ist eine 3-jährige Ausbildung für die Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen der Hand. Handchirurgische Operationen erfordern besondere Techniken und werden in der Regel mit der Lupenbrille durchgeführt.

Alle drei Fachärzte unserer Praxis-Klinik haben diese Ausbildung durchlaufen und langjährige Erfahrung in diesem Bereich.

Wir führen in unserer Handchirurgie Esslingen die typischen Eingriffe im Bereich der elektiven (d.h. nicht notfallmäßigen) Handchirurgie durch: Nerveneinklemmungen (Karpaltunnelsyndrom), Sehneneinengungen (Schnappfinger), Bindegewebswucherung mit Fingerverkrümmung (Dupuytren´sche Erkrankung) und verschiedene – meist gutartige – Geschwülste (Ganglion, Synovialom).

Entscheidend für ein gutes Ergebnis ist nicht nur die Operationstechnik, sondern auch eine entsprechende Nachsorge mit frühen Bewegungsübungen, Narbenmassagen und bei Bedarf krankengymnastischer Behandlung.

Zudem führen wir auch die konservativen (d. h. ohne operativen Eingriff) Behandlungen durch – z.B. bei bestimmten Gelenkerkrankungen sowie Verletzungsfolgen.

 

 

 

Nervenkompressionssyndrome an der Hand

Das Karpaltunnelsyndrom wird durch Druck auf den N. medianus (Mittelnerv) der Hand hervorgerufen und äußert sich durch Einschlafen, Kribbeln und häufig nachts auftretende Schmerzen in den ersten drei Fingern. Die Symptome treten zunächst nur kurz auf und verschwinden durch Schütteln oder Lageänderung. Zunehmend kann es zu Beeinträchtigungen bei bestimmten Tätigkeiten, gestörter Nachtruhe und Morgensteifigkeit kommen. Im fortgeschrittenen Stadium verschwinden die Schmerzen, die Finger werden gefühllos und es tritt eine Muskelschrumpfung im Bereich des Daumenballens mit Kraftverlust ein.

Deutlich seltener tritt das Sulcus ulnaris Syndrom auf, durch einen Druck auf den N. ulnaris (Ellennerv) am Ellbogen. Dies zeigt sich durch Kribbeln im Kleinfinger mit zunehmender Schwäche beim Abspreizen des Fingers.

Gesichert wird die Diagnose in unserer Handchirurgie Esslingen jeweils durch eine neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitgeschwindigkeit. Weist diese eine deutliche Verzögerung auf, sollte der Nerv operativ entlastet werden, um Dauerschäden zu vermeiden. Bei nur geringer Beeinträchtigung kann eine Nachtlageruns-Schiene die Beschwerden bessern und entsprechend zugewartet werden.

Bei der Operation wird durch einen kleinen Schnitt das Karpalband (in der Hohlhand am Übergang zum Unterarm) bzw. das Dach des Sulcus ulnaris (am inneren Ellbogenknochen) gespalten. Dadurch wird der jeweilige Nerv vom Druck entlastet. Dies führt zu einer schnellen Besserung von Schmerzen und Kribbeln. Die Rückbildung von Gefühlsstörungen und Muskelschwächen ist abhängig von Schwere und Dauer der vorliegenden Druckschädigung und kann Monate dauern oder auch unvollständig bleiben.

Die Operation in Kürze:

Dauer:

20-30 min, in Armbetäubung

Verband:

2 Wochen bis zum Entfernen der Fäden

Schonung, aber Fingerübungen ab 2. Tag.

Arbeitsfähigkeit:

2-4 Wochen nach Tätigkeit

 

 

 

Sehneneinengungen (Schnappfinger und Tendovaginitis stenosans)

Die Bewegung der Finger erfolgt durch die Sehnen. Die Beugesehnen verlaufen in der Handinnenfläche und sind durch mehrere Ringbänder mit den Fingern verbunden. Am Handrücken befinden sich die Strecksehnen, die in Höhe des Handgelenkes durch 6 Sehnenfächer laufen. Ringbänder und Sehnenfächer dienen der Führung und verbessern die Kraftübertragung. Sie können aber auch zu „eng“ werden, so dass das Gleiten durch diese Führungen behindert wird und entsprechende Beeinträchtigungen auftreten.

Am häufigsten ist der sogenannte Schnappfinger, der durch eine Einengung am ersten (A1) Ringband in Höhe des Grundgelenkes hervorgerufen wird. Zunächst kommt es gelegentlich zu einer erschwerten Beugung oder einem Hängenbleiben des betroffenen Fingers, besonders morgens, die im Laufe des Tages verschwindet. Mit weiterer Ausprägung tritt das typischen Schnappen auf, wenn die verdickte Sehne durch das enge Ringband springt. Zunehmend kommt es zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen bis zur Blockierung des Fingers.

Im Bereich der Strecksehnen ist meistens das erste Sehnenfach von einer Einengung betroffen, was zu Schmerzen beim Strecken und Abspreizen des Daumens führt (Tendovaginits stenosans de Quervain). Dies führt zunehmend zu Einschränkungen des Daumengriffes.

Die Diagnose lässt sich jeweils aufgrund der typischen Beschwerden und der klinischen Untersuchung stellen. Dabei findet sich über dem 1. Ringband bzw. dem 1. Stecksehnenfach eine schmerzhafte Verdickung und das Schnappen bzw. schmerzbedingte Bewegungseinschränkung.

Im Anfangsstadium kann durch Schonung und abschwellende, entzündungshemmende Maßnahmen manchmal eine Besserung erreicht werden. Bei fortgeschrittenen Befunden ist die operative Spaltung des betroffenen Ringbandes bzw. des Sehnendaches notwendig, um die freie Beweglichkeit der Sehnen wieder herzustellen. Je nach Ausprägung werden dabei auch die entzündlich verdickten Sehnenscheiden entfernt.

Operationen in Kürze:

Dauer:

10-20 min, in örtl. Betäubung oder Armbetäubung

Verband:

10-14 min Tage bis zur Entfernung der Fäden

Schonung, aber frühe Bewegungsübungen

Arbeitsfähigkeit:

nach 1-3 Wochen je nach Tätigkeit

 

 

 

Verkrümmung der Finger – Dupuytren´sche Kontraktur

Zugrunde liegt eine gutartige Bindegewebswucherung, die zunächst im Bereich der Hohlhand zur Bildung von Knoten führt und dann zu Strängen, die sich auf die Finger ausdehnen und diese zunehmend verkrümmen. Die Erkrankung kommt häufiger bei Männern vor, oft gibt es eine familiäre Veranlagung. Der Verlauf tritt oft in Schüben auf, kann dabei jederzeit stehenbleiben oder immer weiter fortschreiten. Es können alle Finger betroffen sein, am häufigsten treten die Veränderungen aber an Ring- und Kleinfinger auf. Ausgeprägte Kontrakturen (Krümmungen in Beugestellung) der Finger beeinträchtigen zunehmend die Handfunktion und können langfristig auch zu bleibenden Gelenkversteifungen führen. Guillaume Dupuytren hat 1832 eine Beschreibung dieser Krankheit veröffentlicht, bis heute ist keine genaue Ursache bekannt. Da keine vorbeugende Behandlung möglich ist und die Knoten weder schmerzhaft noch bewegungseinschränkend sind, ist eine operative Behandlung erst bei entsprechender Beeinträchtigung mit ungenügender Fingerstreckung (Kontraktur) sinnvoll. Je nach Ausprägung der Veränderungen bieten wir in unserer Praxis-Klinik verschiedene Methoden an:

Liegt ein einzelner Strang vor mit Krümmung eines Fingers kann dies durch die sog. PNF (Perkutane Nadelfaszietomie) behoben oder deutlich verbessert werden. Dabei handelt es sich um ein minimal invasives Verfahren bei dem in örtlicher Betäubung der verdickte Strang gelöchert wird bis die Kollagenverwachsungen reißen und der Finger wieder voll getreckt werden kann. Das veränderte Gewebe wird dadurch nicht entfernt, aber die Funktion wieder gebessert. Dieses Verfahren kann auch mehrmals angewandt werden.

PNF in Kürze:

Dauer:

5-10 min. in örtl. Betäubung

Verband:

1-2 Tage, Nachtlagerungsschiene für ca. 3 Wochen

Arbeitsfähigkeit nach wenigen Tagen

Handelt es sich um mehrere, verzweigte Stränge so ist die offene Operation mit Entfernung der Bindegewebswucherungen in der Hohlhand (Aponeurektomie) und an den betroffenen Fingern (Fasziektomie) notwendig. Die Schnittführung richtet sich dabei nach den vorliegenden Veränderungen. Intensive Bewegungsübungen sind anschließend notwendig, um narbige Verklebungen zu verhindern. Häufig ist eine krankengymnastische Behandlung indiziert. Es kann aber jederzeit zu einem Fortschreiten der Erkrankung an anderen Stellen oder einem Wiederauftreten (Rezidiv) im operierten Bereich kommen.

Offene Operation in Kürze:

Dauer:

1-2 Stunden in Armbetäubung und Blutleere

Verband:

2 Wochen bis zur Entfernung der Fäden

Arbeitsfähigkeit:

nach 2-4 Wochen

Positive Ergebnisse der Handchirurgie

Wenn die Operation gut verläuft und keine Komplikationen auftreten, können im allgemeinen die vorher gekrümmten Finger wieder gestreckt werden. Bei bereits länger andauernden, starken Krümmungen kann manchmal das Streckdefizit nicht vollständig beseitigt werden, aber in den meisten Fällen eine deutliche Verbesserung der Funktionalität. Das bedeutet ein neues Lebensgefühl - und nicht nur das - für Patienten, die vorher unter Umständen eine klauenförmige Hand hatten, die sie nur sehr eingeschränkt benutzen konnten. Für einen Großteil der operierten Patienten entstehen keine schwereren Nebenwirkungen und die Ergebnisse sind befriedigend.

Die handchirurgische Behandlung ist die einzige Therapie, die für alle Stadien der Dupuytren'schen Kontraktur geeignet ist.

Weitere Infos erhalten Sie auch bei der Deutschen Dupuytren-Gesellschaft e.V. www.dupuytren-online.de

 

 

 

Handchirurgie Esslingen: Geschwülste an der Hand

Eine Vorwölbung wird am häufigsten durch ein Ganglion verursacht. Es handelt sich dabei um eine mit gallertartiger Flüssigkeit gefüllte Ausstülpung im Bereich von Gelenkkapseln oder Sehnenscheiden. Sie können prallelastisch bis knochenhart sein, was zu der deutschen Bezeichnung Überbein geführt hat. Prinzipiell kann ein Ganglion überall an der Hand auftreten, am häufigsten ist die Lokalisation am Handgelenk und an den Fingergrundgelenken. An sich ist ein Ganglion harmlos und kann sich anfangs auch wieder zurückbilden. Erst ab einer bestimmten Größe kann es durch Verdrängung von Nachbarstrukturen zu Beschwerden und Funktionseinschränkungen kommen. Dann ist eine Operation zur Entfernung indiziert, wobei zu beachten ist, dass Ganglien oft auch wieder entstehen können (Rezidivgefahr).

Gewebsneubildungen (Tumore) im Bereich der Hand sind überwiegend gutartig und können von verschiedenen Geweben ausgehen. Das Synovialom – eine Geschwulst der Synovialis (Sehnengleitgewebe und Gelenkinnenhaut) – ist ein rundlicher, schmerzloser Knoten mit langsamer Größenzunahme. Auch hier besteht eine hohe Rezidivgefahr nach Entfernung. Weitere Neubildungen können vom Fettgewebe (Lipom), Bindegewebe (Fibrom) oder Blutgefäßen (Hämangiom) ausgehen. Funktionelle Beschwerden treten ab einer bestimmten Größe auf und dann ist die operative Entfernung indiziert.
Ebenfalls gutartig, aber sehr schmerzhaft, ist der Glomustumor, der an den Endliedern und unter dem Nagelbett auftritt und aufgrund der geringen Größe schwierig zu erkennen ist.

 

Die Operation in Kürze:

Dauer:

20-40 min, Arm- oder Fingerbetäubung

Verband:

8-14 Tage bis zur Entfernung der Fäden

Arbeitsunfähigkeit:

1-3 Wochen, je nach Tätigkeit

 

 

 

Gelenkerkrankungen

Zahlreiche entzündliche Erkrankungen können sich auch an den Gelenken zeigen, in Form von Arthritis mit Schmerzen, Rötung und Schwellung. Häufig ist dies bei Rheuma der Fall, aber auch verschiedene Autoimmunerkrankungen können die Ursache sein. Die Behandlung der Grunderkrankung bessert dann auch die Gelenkbeschwerden. Eine chirurgische Behandlung ist nur bei bleibenden Deformierungen notwendig.

Hand- und Fingergelenke sind unterschiedlich von Arthrose betroffen, bei der Knorpel- und Knochenabnutzungen mit entzündlichen Umgebungsreaktionen einhergehen. Diese Veränderungen treten häufiger bei Frauen auf, schmerzhafte Schübe wechseln mit schmerzarmen Phasen. Am häufigsten betroffen sind Daumensattelgelenk (Rhizarthrose) und die Fingerendgelenke (Heberdenarthrose). Hilfreich sind verschiedene, symptomatische Maßnahmen zur Entzündungshemmung und Schmerzlinderung wie Wärme, Bewegungsübungen, Schienen, Salben und Medikamente. Bei dauernden schmerzhaften Beeinträchtigungen sind chirurgische Eingriffe sinnvoll.